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„Deunken“ – Mehr als nur Kneipe

Die Gaststätte Schulte-Palz war einer der bekanntesten Treffpunkte der Scheidinger Vereine. 234 Jahre lag sie im Herzen von Scheidingen. Im Jahre 1760 wird die Gaststätte erstmalig erwähnt. Der damalige Wirt war ein Herr Schwarze. Der Vorname ist leider nicht überliefert. Danach erbte ein gewisser Eberhard Döneke die Gastwirtschaft. Aus dieser Zeit stammt auch der Name „Deunken“, der sich über 200 Jahre gehalten hat. Und viele der älteren Scheidinger denken gerne und mit einem schmunzeln auf dem Gesicht, zwar nicht an diese Zeit, sondern an die letzten 50 Jahre zurück. Denn Ende 1994 schloss der Gasthof Schulte-Palz für immer seine Pforten. Den größten Teil dieser 50 Jahre stand Franz Schulte hinter dem Tresen. 1994 bekannte „Deunken Franz“, dass die  Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben sei und behördlicher Wahnsinn gaben Franz und Helga Schulte den Rest. Zum letzten Akt luden Helga und Franz an einem Mittwoch alle Stammgäste und Vereine zum Fässer leeren ein. Morgens um 3 Uhr schloss Franz die Gaststätte von innen zum letzten Mal ab. Alle Vorräte waren von den Gästen  ordnungsgemäß vernichtet worden. Helga meinte am Abend lachend, dass sie sich nun vom großen Topf auf den kleinen Topf umstellen muss.

Ganze Generationen haben hier gefeiert, ihre Freizeit verbracht, ihr Feierabendbierchen getrunken, sich nach dem Hochamt getroffen und den neuesten Tratsch oder sonstige Entwicklungen diskutiert. Legendär ist auch die Rocki-Tocki-Bar, die sich in der alten Scheune befand. Der MGV hatte sein „Zu Hause“ bei Deunken. Ebenso der Frauensingekreis, die Feuerwehr, der Taubenverein, der Skatclub, die Avantgarde, verschiedene Sparclubs usw. Der SuS tauchte regelmäßig Sonntags nach den Spielen auf und diskutierte die Taktik. Zu fortgeschrittener Stunde sogar oft in einer Fremdsprache die niemand zuordnen konnte.

Helga und Franz hatten damals viele Stammgäste, die einfach gerne kamen weil sie sich pudelwohl fühlten. Es war einfach eine Kneipe für das Dorf. Die Schließung des Lokals nahmen viele Scheidinger nur mit großer Wehmut hin. Letzt endlich war es für das Dorf auch ein herber kultureller und gesellschaftlicher Verlust. Denn bei den „Beiden“ wurde alles gefeiert und veranstaltet. Taufen, Hochzeiten, Kommunionen, Konfirmationen, Geburtstage, Beerdigungen und und und. Das alles ging von einem Tag auf den anderen nicht mehr. Viele Leuten mussten nun umdenken und improvisieren. Vereine mussten sich ein neues zu Hause suchen usw. Einfach ein trauriger Tag für Scheidingen. Aber das „Allgemeine Kneipensterben“ hat schon seine Gründe. Da müssen sich auch Dorfbewohner an die eigene Nase packen und wenn dann noch Politiker ihre Ideologien in Gesetze umwandeln, dann kann man nur noch in Deckung gehen, oder eben wie Helga und Franz konsequent sein.

Es gibt unzählige Anekdoten, die mit der Gaststätte Schulte verbunden sind, denn bei Deunken war immer etwas mehr erlaubt als in vergleichbaren Lokalen. Und wenn man heute mal auf einer Feier auf dieses Thema kommt, nimmt das Lachen oft kein Ende mehr. Die Jüngeren können und wollen es oft kaum glauben was da abging. Es war einfach eine schöne Zeit.

Theodor und Maria Schulte-Palz übernahmen das Lokal in den 30-iger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Völlig zentral gelegen war es immer ein Anlaufort für die Scheidinger. In der Scheidinger Straße spielte sich das dörfliche Leben ab. Hier war die Kirche. Es gab Lebensmittelläden, zwei Kohlenhandel, eine Metzgerei, ein Schuhgeschäft, Bäckereien, Tischlereien, einen Spielwarenladen, zwei Geldinstitute, Friseursalons, zwei Fahrradgeschäfte und natürlich drei „Kneipen“. Kaum zu glauben wenn man das heute so liest. Wer das nicht glauben mag, dem empfehlen wir den unten stehenden Link. Dies war die Festschrift des SuS zum Sportfest 1949. Viele der o.a. haben hier mit Inseraten geworben.

 

 

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