Verteidiger- Bekloppte mit Eisenstollen

Nachdem wir uns bereits mit dem Bekloppten zwischen den Pfosten beschäftigt haben, soll heute das Scheinwerferlicht auf seine Mitstreiter geworfen werden. Die Verteidiger haben auch ihren Mythos. Da sie für die Position im Tor zu dünn sind, aber am Ball nicht so versiert sein sollen, wie die Kreisliga-Zidanes/Messis/Ronaldos, werden sie als destruktive Wachmänner im Bereich des 16ers aufgestellt. Das stimmt natürlich so nicht, aber die Verteidiger sind schon ein besonderer Schlag Mensch.

Klar, sie sollten in der Lage sein, den Spielaufbau strukturiert voranzubringen. Also gezielte und gut getimte Pässe in das Mittelfeld zu bringen. Die Realität sieht selbstverständlich anders aus. Der Kreisligaverteidiger muss die Fähigkeiten besitzen, die Kugel möglichst weit weg vom eigenen Tor in die Wallachei zu pöhlen. Kick and Rush hat man das früher genannt.
Auch ansonsten ist das Anforderungsprofil an einen Verteidiger komplex und anspruchsvoll. So muss er das ständige Gebrülle des Torhüters aus nächster Nähe ertragen und in sinnvolle Handlungsaufforderungen übersetzen. Multitasking ist ebenfalls gefragt. Zeitgleich muss er den gegnerischen Stürmer und die holpernde Kugel im Auge behalten. Verteidiger sind in gewisser Weise mit schlecht gelaunten Türstehern zu vergleichen, sie lassen keinen vorbei. Und wenn dann ein unverbesserlicher Vogel doch sein Glück versucht, knallt es. Andererseits ähneln sie auch Auftragskillern oder anderweitigen Spezialagenten.  Wenn beispielsweise die Feinde über einen herausragenden Einzelspieler verfügen, wird der Defensivakteur mit dessen Begleitung beauftragt. Jeder kennt die Phrase „Und wenn der auf’s Klo muss, gehste mit!“ Mit dem zu bewachenden Spieler möchte man jedenfalls nicht tauschen. Wenn der Agent seinen Job ernst nimmt (und was gibt es ernsteres als Kreisligafußball?!), dann können 90 Minuten ganz schön lang werden. Vor jeder Ballannahme spürt man schon einen zärtlichen Ellbogen in der Rippengegend oder einen sanften Eisenstollen auf dem Spann. Wenn man es doch irgendwie an dem Dobermann von Wachhund vorbeischafft, kommt der von hinten mit gefühlten 100 Sachen angerauscht und räumt dich ab.

Kurze Anekdote über einen ehemaligen Mitspieler von mir, der seinen Job als Abräumer sehr ernst nahm. Der gegnerische Stürmer ließ unseren Torwart (mich) gekonnt aussteigen und dribbelte auf das verwaiste Tor zu. Seine Mitspieler hoben bereits die Arme in den Himmel, als (nennen wir ihn mal) Peer ihn samt Ball von hinten ins Tornetz grätschte und sich dabei einen boxprofiwürdigen Cut über der Augenbraue zuzog. Der souveräne Schiedsrichter zeigte dem blutüberströmten Verteidiger nachsichtig nur die gelbe Karte (schließlich verdiente er durch die Aktion eh einen Ausflug ins Krankenhaus) und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Dieser wurde übrigens gekonnt neben das Tor gesetzt.

Wie man unschwer festhalten kann, ist es für einen Verteidiger nicht von Nachteil über eine gewisse Körpergröße und Masse zu verfügen, um den Widersachern etwas entgegensetzen zu können. Bei Ecken des Gegners kann er seine hünenhafte Länge dann zum Klären der brenzligen Situationen nutzen. Auch an vorderster Front kann er diese Eigenschaften dann zum Zwecke des Mannschaftswohls einsetzen. Bei Standardsituationen in Tornähe des Gegners sprintet er dann die 100 Meter in 10 Sekunden, um seinen eigentlichen Job ins Gegenteil zu verkehren und sich als Torschütze zu beweisen.
Die hohe Kunst des Verteidigens wird in der Beurteilung von Fußballern leider nicht so wertgeschätzt, wie sie es verdient. Daher Hut ab vor all den Bekloppten, die sich trotzdem nicht zu schade dafür sind, sonntags über die Kuhweiden des Kreises zu grätschen.

 

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