Karneval

Die Entstehung des SuS Karnevals

Ein Bericht von Franz-Josef Berz im August 2012

Nach Berichten und Recherchen von Josef Koerdt                                                         

Vorgeschichte

„Die Scheidinger waren immer schon ein sehr trinkfreudiges Völkchen“-

so schrieb es der damals bekannte Prälat Dr. Preising aus Werl, in einer von ihm verfassten Schrift über das Dorf Scheidingen. Anlass dieser Schriftpassage war das restlose “ Versaufen“ der Heuer in der Fastnachtszeit des Jahres 1818. Die Heuer hatten die Scheidinger Bürger vom damaligen Preußischem Staat erhalten, für die Requierierung und Bereitstellung von Unterkünften in den Befreiungskriegen von 1813 bis 1815. In diesen frühen Jahren Fastnacht zu feiern war eher unüblich und spricht für die Scheidinger Karnevalskultur.

Früh nachgewiesen, ist auch das Umherziehen mit der sogenannten „Rassel“. Dies erzeugte einen ungemeinen Lärm, der die bösen Geister vertreiben sollte.

Dann gab es das „Fastnachtskrengelwürfeln“. 4-5 Personen würfelten um die höchste Punktzahl, und der Gewinner erhielt dann eine überdimensionale Brezel.

Bekannt und beliebt ist auch der „Fastnachtsumzug“ gewesen. Die jungen Männer zogen durch das Dorf und sammelten Würste und Eier. Diese wurden dann am Abend unter großem Hallo verzehrt, wobei das Bier in Strömen floss. Später ließ man dann den Kindern im Dorf am Rosenmontag den Vortritt bei diesem Brauch.

Ein weiterer Brauch, war das „Verbrennen des Bachus“. Diese etwas heikle Prozedur wurde bei Langohr auf dem Dreischen vorgenommen. Der Bachus bestand aus einer Strohpuppe, und wurde am späten Fastnachtsdienstag oder am frühen Aschermittwochmorgen mit großem Theater, unter Beteiligung der fast gesamten Dorfbevölkerung verbrannt. Der sterbliche Überrest wurde dann in den Teich geworfen. Beim Verbrennen hatte der Zeremonienmeister ein Kartenspiel in der Hand und zog Karten. Er rief z.B. Pik As, Herz Bube, Karo König etc. Jedesmal antworteten alle Anwesenden: “ Nix für uns“! Diese fast sakrale Handlung nahm dann im Laufe der Jahre solche extremen Formen an, dass sich die geistliche Führung im Dorf genötigt sah, dem Spuk ein Ende zu bereiten. Kurz und gut, der Herr Pastor führte für die Zeit von Rosenmontag bis Aschermiiwoch das sogenannte 40 stündige Gebet ein, und aus war es mit dem Spuk. So geschehen in den 70-iger Jahren des vorletzten Jahrhunderts. Ungefähr 1871 – 1873.

Findige junge Leute jedoch sannen nach anderen Lebensfreuden, und erfanden den sogenannten „Kappenball“. Dieser fand am Fastnachtssonntag statt, in den Räumlichkeiten der Gastwirtschaften Seithe oder Palz. Nach Gründung der einzelnen örtlichen Vereine, ging die Veranstaltung des Kappenballs dann später mehr und mehr in die Regie derselben über. Als dann Anfang des 20. Jahrhunderts in Scheidingen eine Schützenhalle errichtet wurde, wurde diese sehr beliebte Veranstaltung in diese Halle verlegt. Der Kappenball hielt sich bis in die 30-iger Jahre des vorigen Jahrhunderts.

Er sollte nach dem 2. Weltkrieg auch wieder der Anfang der Scheidinger Narrenzunft werden. Davon erzählt das nächste Kapitel.

Die Zeit nach dem 2. Weltkrieg

1945; der 2. Weltkrieg, ein Krieg der an Brutalität und Schrecken nicht zu überbieten war, war Gott sei Dank zu Ende. Langsam entwickelte sich neues Leben; auch im kulturellen Bereich.

Der „Ball-Spiel-Verein BVS Scheidingen 1928″ wurde im Juni 1946 unter dem Namen „Spiel und Sportverein SuS Scheidingen“ wiederbegründet, und unter alter Tradition fortgeführt.

Bereits Rosenmontag, den 17.02.1947 wurde in der Scheidinger Schützenhalle der erste Rosenmontagsball nach dem Kriege begangen. Alkoholische Getränke, vor allem selbst gebrannter Schnaps wurden hierzu mitgebracht. Die Halle war völlig überfüllt. Auf der Tanzfläche war lediglich ein leichtes Hin-und Herschieben möglich. Allen dürstete ja nach ein wenig Vergnügen nach den Jahren des Krieges.

1947 begann auch die Ära der Prinzen. Der erste Prinz war Robert Wilp aus Düsseldorf. Seine Ehefrau war eine geborene Melchers aus Scheidingen. Der erste Schlachtruf war „Hell-Blau“. Dieser Schlachtruf sollte aber nur 1947 und 1948 Gültigkeit habe.

Karneval 1949 konnte man Rosenmontag endlich wieder mit richtigem Geld bezahlen. Die Währungsreform hatte im Sommer 1948 stattgefunden. Die D-Mark, der viele Menschen heute noch hinterher trauern, wurde eingeführt.

Josef Koerdt, den alle nur Jupp riefen, zog seit 1947 die Fäden im Hintergrund. 1949 war er dann auch Prinz Karneval. Alle Beiträge wurden seitdem aus einem echten Kaffkorb gehalten. Somit wurde das „Hell-Blau“  abgelöst. Das närrische Volk rief ab 1949 dann „Kaff-Kaff“.

Bis Anfang der 50-iger Jahre waren die Rosemmontagsveranstaltungen reine Tanzveranstaltungen. Ab 1953 wurde dann der Karneval in seiner heute bekannten Form gefeiert. Zu dieser Zeit wurde auch die Kappensitzung eingeführt. In Sitzungen, die am 11.11 statt fanden, wurde durch die 11 Mitglieder des Rates der Prinz gewählt. Dieser Brauch ist bis heute beibehalten worden. Bis 1987 regierte allein ein Prinz das Scheidingen Narrenvolk. Einzige Ausnahme war 1957, als sich Prinz Theo I. Schneider eine Prinzessin an seine Seite auserkor. Wilma Nölken war die einzige Prinzessin in 40 Jahren. Seit 1988 gibt es nur noch Prinzenpaare. Volker und Isolde Dreier  waren 1988 das erste Prinzenpaar der karnevalistischen Neuzeit.

Ein fester Bestandteil des Scheidinger Karnevals war die Musikkapelle Twittenhoff. Unter der Leitung von Georg Twittenhoff, gab sie von 1947 -1979 den Ton beim Karneval an. Auch der Tambourkorps Flerke war von 1952 – 1975 für den Einzug des Elferrates zuständig. Hier war Tambourmajor Werner Wilms zuständig. Ab da übernahm der Spielmannszug der Kyffhäuserkameradschaft unter der Leitung von Heinz Sauermann diesen Part.

Auch für die Völkerverständigung wurde etwas getan. 2 x war ein Angehöriger der belgischen Natostreitkräfte Prinz Karneval in Scheidingen. Unvergessen ist hier die Veranstaltung von 1969 als Emile van Hove das Prinzenzepter geschwungen hat. Diese Veranstaltung fand in der Flerker Turnhalle statt. Die Schützenhalle in Scheidingen war im Jahr davor abgerissen worden und befand sich im Wiederaufbau. Trotz einem Meter Schnee platzte die Flerker Halle aus allen Nähten, und die ganze Veranstaltung wurde zu einer einmaligen Galavorstellung. Roger de Bruyne war 1983 Prinz. Er führte den Besuch im Auerbachkeller der Dortmunder Union-Brauerei ein. Hier fanden Veranstaltungen des Bundes Ruhr-Karneval statt. Die, die es erlebt haben, schwärmen heute noch davon. Beide belgischen Prinzen wohnten in Scheidingen, und waren mit den Gepflogenheiten im Dorf bestens vertraut.

Hunderte von Leuten aus Scheidingen und Umgebung haben sich für den Scheidinger Karneval eingesetzt. Sei es als Drahtzieher, DJ oder auf der Bühne. Ihnen ist ein großes Dankeschön auszusprechen. Alle Personen hier aufzuzählen würde jeden Rahmen sprengen. Einen Auszug aus einer Rede von Jupp Koerdt findet ihr im Anhang.

Rede
Rede Jupp Koerdt 1988 Seite 6
Rede
Rede Jupp Koerdt 1988 Seite 7

 

 

 

 

 

 

 

 

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Rede Jupp Koerdt 1988 Seite 8
Rede
Rede Jupp Koerdt 1988 Seite 9

 

 

 

 

 

 

 

 

Rede
Rede Jupp Koerdt 1988 Seite 10

Bilder zu diesem Artikel findet man unter Karneval Aktuell in dem Artikel „2 Tage noch“. Dort ist eine Bildergalerie hinterlegt.

Sitzungspräsidenten der Scheidinger Narrenzunft ab 1947

Name Jahr von bis Besonderheiten
Josef(Jupp Koerdt) 1947 – 1985
Gernot Lange 1986 – 1991
Keinen Sitzungspräsidenten 1993 – 1994 Reine Tanzveranstaltung
Ulrich Lindenberg 1995 – 1997 1992 ebenfalls SP
Hagen Debat 1998 – 2004
Dietmar Schröder 2005 – 2014
Thomas Vickermann/Heinz Kortmann 2015 Keinen SP (sondern Moderatoren)